Ausgabe August 2006

Die neue Welt der Atommächte Is purchaseable

Titelthema

  • Wie ernst ist die Krise?

    Atomare Proliferation und internationale Ordnung

    von Joachim Krause | Arms Control and WMD

    Nukleare Nichtverbreitung und internationale Ordnung wurden für Jahrzehnte vornehmlich von den USA garantiert. In dem Maße, wie die Wirksamkeit multilateraler Institutionen abnimmt, treffen einseitige Maßnahmen der USA zum Erhalt dieser Systeme international auf Widerstand. Daraus ergeben sich Spielräume für Länder wie den Iran. Nicht Rüstungswettläufe sind die Gefahr, sondern die Erosion des Gewaltverbots und die Möglichkeit von Nuklearkriegen.

  • Nichtverbreitungsvertrag: Regime kaputt

    Bedingungen für die Stabilität von Vertragsregimen

    von Harald Müller | Arms Control and WMD

    Das Nichtverbreitungsregime steckt in einer schweren, wenn nicht gar terminalen Krise – vor allem, weil die Kernwaffenstaaten so nonchalant damit umgehen: Die amerikanischen, russischen, französischen Doktrinen legen nahe, dass ein kleiner Atomkrieg so schlecht gar nicht ist (wenn der Gegner keine Atomwaffen hat). Damit steuert die gesamte Welt in eine brandgefährliche neue Lage. Denn das schlechte Beispiel macht Schule.

  • Europas nukleares Schweigen

    Die EU hat keine Rezepte gegen die Krise des nuklearen Nichtverbreitungsregimes

    von Karl-Heinz Kamp | Arms Control and WMD

  • Patronage der Proliferation

    Nukleare Kooperation als Geopolitik – eine gefährliche Tendenz

    von Henning Riecke | Arms Control and WMD

  • Das große internationale Iran-Puzzle

    Teherans Atomprogramm auf der diplomatischen Weltbühne

    von Oliver Thränert | Iran, International Policy/Relations

    Mitte Juli ließen erstmals alle fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats – also auch Russland und China – die Bereitschaft erkennen, über Sanktionen gegen Iran nachzudenken, falls er sich weiter weigert, die Urananreicherung auszusetzen. Trotz ihrer unterschiedlichen Interessen ist es den Hauptakteuren damit gelungen, eine einheitliche Linie gegenüber Iran zu vereinbaren – ein Erfolg vor allem der europäischen Diplomatie. Er könnte weitreichende Folgen haben.

  • „Absolut kein Konsens“

    Wie die Iraner zum staatlichen Atomprogramm stehen

    von Wahied Wahdat-Hagh | Iran, Arms Control and WMD

    Die so genannten Reformislamisten sind kein Bollwerk gegen Achmadinedschads Atomprogramm: In dieser Frage herrscht Einigkeit zwischen Hardlinern und Reformern. Und die Bevölkerung? Demonstrationen, Diskussionen in Weblogs und der Umstand, dass die Bürger durch soziale Wohltaten geradezu bestochen werden müssen, deuten darauf hin, dass die Iraner den Kurs ihres Präsidenten nicht geschlossen billigen.

  • Schwacher Staat, tödliche Sprengkörper

    Islam mit Bombe: Wie gefährlich ist Pakistans Atomwaffenbesitz?

    von Leonard S. Spector | Pakistan, Arms Control and WMD

    Die Welt zählt neun Nuklearwaffenstaaten, mit Iran strebt ein zehnter hinzu. Doch die größte Gefahr geht von Islamabad aus, wo Präsident Musharraf einen einsamen Kampf gegen den islamistischen Terror führt. Bedroht von Putschisten, Abtrünnigen, korrupten Militärs und verwickelt in einen schwelenden Konflikt mit der benachbarten Atommacht Indien, könnte sein Land zum Spielball radikaler Islamisten werden. Pakistans Atomwaffenarsenal in solcher Hand wäre ein wahres Alptraumszenario.

  • Kein Brennstoff für Indien

    Der Preis für die US-indische Atomkooperation ist zu hoch

    von Michael Krepon | India, Arms Control and WMD

    Im Zuge eines bilateralen Atomabkommens bieten die USA Indien Brennstofflieferungen an. Ob Neu-Delhi Kontrollen zulässt oder Atomtests wieder aufnimmt, ist ungewiss. Doch in jedem Fall ist das Abkommen eine Schwächung des Atomwaffensperrvertrags und des weltweiten Atomtestmoratoriums.

  • Für ein globales Frühwarnsystem

    Russische Vorschläge zur Zukunft der Nichtverbreitung

    von Sergej Vadimovic Kortunov | Arms Control and WMD

    Das Nonproliferationsregime aus der Zeit des Kalten Krieges steckt in einer tiefen Krise. Die „klassischen“ Instrumente zur Gefahrenabwehr –Abschreckung, Rüstungskontrolle, präventive Nichtverbreitung – reichen in der heutigen Welt nicht mehr aus. Nötig ist ein neues globales System der Kontrolle, gemeinsam entwickelt von den USA und Russland.

  • Nordostasiens prekäre Sicherheitslage

    Die Region braucht multinationale Konfliktbewältigungsstrukturen

    von Soong-hee Lee | East Asia, International Policy/Relations

    Nordkoreas nukleare Ambitionen, Chinas rasanter Aufstieg, Japans neue Militärdoktrin, Russlands Regionalinteressen und die Politik der USA im pazifischen Raum haben eine geopolitische Lage geschaffen, die potenziell gefährlich werden kann: Spannungen und Konflikte in Nordostasien könnten militärisch eskalieren. Was fehlt, ist eine multinationale asiatische Sicherheitsorganisation nach europäischem Vorbild.

Internationale Politik

  • Es geht ums Überleben

    Gegen die fortdauernden Angriffe auf Israel hilft nur Abschreckung

    von Michael Borgstede | Near and Middle East/North Africa, Bilateral Conflicts

  • Eine Plattform für Iran und Syrien

    Der Libanon wird erneut zum Epizentrum des Nahost-Konflikts

    von Maximilian Felsch | Near and Middle East/North Africa, Conflicts and Strategies

    Im März 2005 zog sich die syrische Armee nach drei Jahrzehnten aus dem Libanon zurück – Folge der Zedernrevolution. Dennoch übt Syrien weiterhin Einfluss aus. Gemeinsam mit dem Iran nutzt Damaskus das Land nach wie vor als Plattform für den Kampf gegen Israel. Gegen die Eskalationsstrategie der Hisbollah war die Regierung machtlos.

  • Der gemeinsame Feind

    Internationale Terrorbekämpfung und die Rolle der Diplomatie

    von Ilan Mor | Terrorism

    Islamistischer Terrorismus nimmt weltweit zu. Da er dezentral vernetzt ist und alle Möglichkeiten moderner Technologien nutzt, muss die internationale Gemeinschaft noch stärker als bisher ihre Kräfte bündeln und ihre Strategien verfeinern, um die Bedrohung einzudämmen. Die jüngste Eskalation zeigt: Staaten, die – wie der Iran und Syrien – Terroristen unterstützen, müssen konsequenter davon abgehalten werden.

  • Düstere Perspektiven

    Der Westen beschönigt die Lage auf dem westlichen Balkan

    von Marie-Janine Calic | Balkans, State Building

    Im Juni ist auch die letzte der ehemaligen Teilrepubliken Jugoslawiens, Montenegro, als unabhängiger Staat international anerkannt worden. Das von den UN verwaltete Protektorat Kosovo steuert ebenfalls auf die Souveränität zu. Viele dramatische Strukturprobleme der Region bleiben dennoch bestehen: Der Europäischen Union fehlt der Wille zu einer strategisch ausgerichteten, kohärenten Balkan-Politik.

  • Globaler Aktionismus reicht nicht

    Deutschland braucht eine Debatte über seine Sicherheitspolitik

    von Stephan Klingenbiel | Germany, German Foreign Policy

  • Öffnung zur Welt

    Anmerkungen zu den jüngsten Debatten über das Goethe-Institut

    von Heinrich Wefing | Germany, Culture

    Welchen Anspruch und Auftrag hat das Goethe-Institut, und welche Ausstattung braucht es, um diesen Auftrag zu erfüllen? Darüber ist eine lebhafte Kontroverse entflammt. Sie zeigt vor allem eines: Die deutsche auswärtige Kulturpolitik muss eine strategische Entscheidung treffen, wie sie in einem grundlegend veränderten geopolitischen Umfeld künftig auftreten will. Und sie muss diesen Auftritt angemessen finanzieren.

  • Putins Geschichtspolitik

    von Rainer Lindner | Russia, Government and Society

    Russland soll wieder ein „großes Land“ sein; deshalb nutzt der Präsident die imperiale Symbolik von der Zaren- bis zur Sowjetzeit – und wird selbst zur historischen Figur

  • Was kommt nach der Bush-Revolution?

    Darfur, Iran, Russland – Konzepte werden dringend gesucht

    von Tim B. Müller | United States of America, International Policy/Relations

    Abgesänge auf Bush und die Neocons helfen auch nicht weiter, wenn es um die neuen globalen Herausforderungen geht

Buchkritik

  • Fukuyama am Scheideweg

    Der Autor von „Das Ende der Geschichte“ will nach dem Irak-Krieg kein Neokonservativer mehr sein

    von Michael Kimmage | United States of America, Political Culture

    Francis Fukuyama hat sich im Streit über die US-Außenpolitik von den Neokonservativen verabschiedet. Rückblickend erzählt er, nicht ohne Sympathie, die Geschichte der neokonservativen Denkschule und macht Vorschläge, wie deren freiheitsbewusstes Erbe für eine neue, multilateral orientierte Außenpolitik nutzbar gemacht werden kann.

  • Licht ins Dickicht der UN

    Das Standardwerk von Gareis/Varwick ist neu aufgelegt worden

    von Helmut Volger | United Nations

  • Das Recht, zu wissen

    Robert Irwin verteidigt die Orientalistik gegen Edward Said

    von Wolfgang G. Schwanitz | Arab countries, Culture

Kolumnen

  • Die Waffen gestreckt

    die Zeit für einen neuen Konservatismus ist reif, doch die CDU lebt lieber liberal

    von Franz Walter | Germany, Government and Society

  • Braucht die Politik ethische Leitbilder?

    Wo Parlamentarier sich nicht an ungeschriebene Anstandsregeln halten, da braucht es eben Vorschriften und Sanktionen

    von Birger P. Priddat | Germany, Political Culture

    Moral verlangt Regeln, vor allem in Deutschland. Momentan bewegt uns das Thema Korruption in diversen Schattierungen. Schon werden Regeln zur Prävention aufgestellt: ethische Kodices im Namen einer Angelegenheit, die wir erst dadurch überhaupt kennenlernen: Public Corporate Responsibility.

  • Balladen und Geschichten

    von Lorenz Jäger | Germany, Culture

    Peter Hacks und Robert Gernhardt haben es vorgemacht: die Wiederbelebung des erzählenden Gedichts als Ausdruck von Geschichtsbewusstsein

  • Hirn, mehr Hirn!

    Technologie

    von Tom Schimmeck | Technology and Research

    Die Hirnforschung macht spektakuläre Fortschritte. Doch eine konsistente Theorie der menschlichen Kognition bietet sie nicht

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