Ausgabe September 2006

Weltwirtschafts-Unordnung Is purchaseable

Titelthema

  • Globalisierung braucht starke Institutionen

    Nach dem Doha-Debakel: Zur Notwendigkeit einer WTO plus

    von Martin Koopmann, Thomas Straubhaar | Globalisierung

    Seit Jahrzehnten ringt die Weltwirtschaft darum, Grenzen zu öffnen, Zölle abzubauen, Dumping zu stoppen. Doch nach einer Phase erfolgreicher Liberalisierung droht nun eine Erosion des multilateralen Regelwerks und die Renaissance bilateraler Abkommen. Dabei ist die Stärkung des WTO-Regimes unverzichtbar – um die wachsende Ungleichheit zwischen den Handelspartnern auszugleichen, den institutionellen Wettbewerb zwischen den Staaten zu zähmen und die Globalisierung zu gestalten.

  • »Europa ist instinktiv multilateral«

    Der EU-Handelskommissar über die Doha-Runde und die Glaubwürdigkeit der WTO

    von Peter Mandelson | WTO

  • Auf dem Vormarsch

    Der globale Einfluss der Schwellenländer wächst

    von Claudia Schmucker | Schwellenländer

    China, Indien und Brasilien sind zu wichtigen globalen Akteuren geworden und fordern mehr Teilhabe an den internationalen Entscheidungsprozessen: Ohne sie läuft nichts in der Doha-Runde, im IWF wollen sie mehr Einfluss und auch an den G-8-Gipfeln nehmen sie teil. Nun müssen sie aber auch mehr Verantwortung übernehmen.

  • Weltordnung durch Gerechtigkeit?

    Eine ökonomische Theorie der Neufiguration von Staat und Raum

    von Birger P. Priddat | Wirtschaft & Finanzen

    Um die riesige Kluft zwischen Arm und Reich in der Welt zu mildern, wird oft globale Umverteilung gefordert. Doch wie die mangelnden Ergebnisse von fünf Jahrzehnten Entwicklungspolitik zeigen, lässt sich globale Gerechtigkeit schwer durchsetzen. Unter welchen Bedingungen wären die Erfolgschancen höher? Einige ketzerische Überlegungen münden hier in einer Theorieskizze, die mögliche neue Wege aufzeigt.

  • Gewerkschaftspolitik in Zeiten der Globalisierung

    Der internationale Gewerkschaftsbund will seine Rolle auf der Weltbühne neu definieren

    von Jürgen Eckl | Politische Partizipation

    Der herrschenden Weltwirtschafts-Unordung das Ungleichgewicht zwischen wirtschaftlichen Zielen und sozialen Interessen auszutreiben: Das ist das erklärte Ziel des sich gerade wieder konstituierenden Internationalen Gewerkschaftsbundes. Nach Jahrzehnten ideologischer Grabenkämpfe während des Kalten Krieges wollen jetzt wieder Nord- und Süd-, Ost- und Westgewerkschaften gemeinsam um faire Arbeitsnormen kämpfen – weltweit, für alle gleichermaßen. Geht das überhaupt?

  • Keine Macht den Multis?

    Die Rolle transnationaler Konzerne in Entwicklungsländern

    von Thorsten Benner, Jan Martin Witte | Entwicklungspolitik

    Menschenrechtsverletzungen, Hungerlöhne, Umweltzerstörung: Je dichter das Netz der Global Player auch in Entwicklungsländern, umso schärfer die Kritik an deren Geschäftsgebaren. Doch führen weder pauschale Abrechnung noch unternehmerische Alibiverpflichtungen weiter – freiwillige Initiativen müssen auf ein Fundament fester internationaler Regeln gestellt werden, die Unternehmen darin bestärken, nachhaltig zu handeln.

  • Verantwortlich handeln

    Die neue Rolle der Unternehmen in der Entwicklungspolitik

    von Klaus Zumwinkel | Entwicklungspolitik

    Wert- und werteorientiert zugleich zu handeln muss heute Ziel eines global tätigen Unternehmens sein, so der Vorstandsvorsitzende von Deutsche Post World Net. Ein wichtiger Bereich bei der Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung durch den Konzern sind Hilfseinsätze, die mit professioneller Logistik viel effektiver gestaltet werden können.

  • Die neuen Herren der Welt

    Öl gleich Macht: Energie-Verbraucherländer müssen umdenken

    von Frank Umbach | Deutschland, Rohstoffe & Energie

    Der steigende Öl- und Gaspreis hat geopolitische Auswirkungen: Er verändert die Position der Ressourcenstaaten gegenüber Abnehmerländern, was wiederum Folgen für die weltweite Ordnungspolitik hat. Dieser Entwicklung muss auch Deutschland dringend Rechnung tragen. Nationale Energiepolitik allein reicht zukünftig nicht mehr aus. Notwendig ist eine gemeinsame europäische Energie(außen)politik, in der die EU ihren Energiemix und ihre Importe stärker diversifiziert und vor allem koordiniert.

Internationale Politik

  • Gebt dem Nationalstaat eine Chance!

    Frieden im Nahen Osten: Neue Barrieren eines alten Konflikts

    von Volker Perthes | Naher und Mittlerer Osten/Nordafrika, Konflikte und Strategien

    Sicherheit ist unteilbar: So lautete das Credo fast aller Parteien des Nahen Ostens. Liegt Israel mit den Palästinensern im Streit, müssen auch die Golf-Staaten an den Tisch. Doch der Krieg im Libanon, Aufstände im Irak und konfessionell-religiöse Spannungen in der Region zeigen: Nur eine subregionale, an nationalen Interessen ausgerichtete Konferenz bietet Aussicht auf Frieden – auch für den arabisch-israelischen Konflikt.

  • Aufgang des schiitischen Halbmonds

    Der Krieg im Libanon und der Neue Nahe Osten

    von Asher Susser | Naher und Mittlerer Osten/Nordafrika, Konflikte und Strategien

    Der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah ist nicht bloß die nächste Runde im klassischen arabisch-israelischen Konflikt. Vielmehr sind die sunnitischen arabischen Staaten, die ehemaligen Hauptfeinde Israels, zum größten Teil passive Beobachter. Mehr noch: Sie wünschen sich insgeheim, dass Israel gewinnt und den militanten schiitischen Islam zurückdrängt, der durch die Iran-Hisbollah-Allianz repräsentiert wird und seinen Einfluss auf die gesamte Region ausdehnen will.

  • Erkennt die wahren Zusammenhänge

    Hisbollah, Israel und Libanon – zur Dynamik einer Eskalation

    von Georges Corm | Naher und Mittlerer Osten/Nordafrika, Konflikte und Strategien

    Der Westen misst aus der Perspektive dieses Autors mit zweierlei Maß: Israel darf alles, und alle arabischen Befreiungsbewegungen sind Terrororganisationen. Diese vereinfachte Sichtweise muss korrigiert werden, wollen wir eine dauerhafte Lösung des Nahost-Konflikts. Dabei muss Europa endlich Verantwortung übernehmen, denn seine Geschichte lastet bis heute schwer auf der Region.

  • Demokratie? Vielleicht später

    US-Außenpolitik im Sog des Nahost-Konflikts

    von Richard Herzinger | Naher und Mittlerer Osten/Nordafrika, Konflikte und Strategien

    Die amerikanische Außenpolitik im Nahen Osten steht vor den Scherben ihrer hehren Ansprüche. Die unvermeidliche weitere Präsenz von US-Truppen im Irak bindet Kräfte, die zur Lösung des Libanon-Konflikts und der Iran-Krise fehlen. Europäische Häme über das Scheitern der neokonservativen Strategie ist so lange fehl am Platz, wie keine besseren Konzepte zur Befriedung der Region vorliegen. Doch die sind nirgends in Sicht.

  • Die USA und der Nahe Osten

    Fünf Jahre nach 9/11: Eine Überprüfung der Bush-Doktrin

    von Robert J. Lieber | Vereinigte Staaten von Amerika, Internationale Politik/Beziehungen

    Ist Washingtons Politik im Nahen Osten katastrophal gescheitert? Führen die Neocons und die „Israel-Lobby“ die Regierung von Präsident George W. Bush am Nasenring von einem Fehlschlag zum nächsten? Nein, sagt der bedeutende US-Politologe Robert Lieber: Bedrohungsanalyse, Logik und Strategie der Nahost-Politik unter Bush jr. sind nach wie vor prinzipiell richtig. Der Kampf gegen den Dschihadismus ist eine Langzeitaufgabe.

  • Lernen, dem Frieden zu vertrauen

    Wider die allzu simple Schwarz-Weiß-Malerei in Nahost

    von Ron Pundak | Naher und Mittlerer Osten/Nordafrika, Konflikte und Strategien

    Der israelisch-arabische Konflikt hat die Welt erneut in zwei zutiefst verfeindete Lager gespalten: auf der einen Seite „wir“, der Westen, auf der anderen Seite „sie“, die Islamisten. Ohne die reale Bedrohung Israels in Frage zu stellen: Wir werden mit unseren Nachbarn erst dann zusammen leben können, wenn wir wieder bedingungslos miteinander reden – mit allen. Für Frieden mit Syrien muss Israel auf die Golan-Höhen verzichten.

  • Wie weiter nach der Waffenruhe?

    „UNIFIL plus“ muss in einen Friedensprozess eingebunden sein

    von Muriel Asseburg | Naher und Mittlerer Osten/Nordafrika, Konflikte und Strategien

    Das Ziel ist klar, der Weg dahin nicht: die langfristige Stabilisierung des Libanon und der Nahost-Region. Ob der zerbrechliche Waffenstillstand von Dauer ist, hängt nicht nur von Mandat und Legitimität der künftigen Friedenstruppe ab. Ohne Einbindung in einen regionalen politischen Prozess wird ihr Einsatz scheitern – der Anfang wäre eine internationale Friedenskonferenz nach dem Muster von Madrid.

  • Eine Frage der Souveränität

    Nicht nur im Energiebereich geht Südamerika eigene Wege

    von Christian E. Rieck | Lateinamerika, Rohstoffe & Energie

    Lateinamerika entwickelt ein neues Selbstbewusstsein: Starke Akteure wie Brasilien und Venezuela drängen auf regionale Selbständigkeit und suchen die rhetorische Konfrontation mit den USA. In der praktischen Kooperation, vor allem im Energiebereich, bleibt man aufeinander angewiesen; es eröffnen sich jedoch auch neue Chancen für die EU.

  • Schwarzmeer-Kooperation

    Herausforderungen an die Politik für ein „europäisches Meer“

    von Norbert Baas | Schwarzmeerraum, Internationale Politik/Beziehungen

    Die Anrainer des Schwarzen Meeres sind nicht nur Europas Öl- und Gaslieferanten, und geopolitisch geht es dort um mehr als strategische Pipeline-Trassen: Die Europäische Union sollte ihre regionenbezogenen Aktionspläne stärker vernetzen, damit allmählich eine europäische „Schwarzmeer-Dimension“ entsteht. Dann würde auch die EU von dieser Nachbarschaft politisch, kulturell und wirtschaftlich profitieren.

  • Abenteurer oder Widerstand?

    Arabische Medien über die Hisbollah und den Krieg im Libanon

    von Jochen Müller | Arabische Länder, Medien/Information

Buchkritik

  • Zunehmende Krisenverflechtung

    Der Nahe Osten im Gesamtzusammenhang der Weltpolitik

    von Maximilian Terhalle | Naher und Mittlerer Osten/Nordafrika, Konflikte und Strategien

    Der Nahe und Mittlere Osten bestimmt mit seinen Krisenherden Irak, Iran, Libanon und Afghanistan gegenwärtig die Weltnachrichten. Fundierte historische Erklärungen sind jedoch rar. Der renommierte Politologe Fred Halliday hat nun ein Standardwerk veröffentlicht.

  • Imperialismus mit guten Absichten

    Beruht die Politik von Bush und Blair auf einer falschen Geschichtsinterpretation?

    von Henning Hoff | Vereinigte Staaten von Amerika, Internationale Politik/Beziehungen

    Der Historiker des britischen Empire, Bernard Porter, und der Politologe David Runciman betrachten die gegenwärtige Weltpolitik der USA und Großbritanniens in verschiedenen historischen Perspektiven.

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