Strategische Ressourcen in Subsahara-Afrika

Konfliktpotenziale oder Friedensgrundlagen?

1. March 2003 - 0:00 | von Matthias Basedau, Andreas Mehler

Internationale Politik 3, März 2003, S. 39 - 46

Kategorie: Resources and Energy, Economy and Finance, Government and Society, Development Policy, Climate & Energy Policy, War/Warfare, Africa, Africa South Of Sahara

Die Frage, ob das Vorhandensein von strategischen Ressourcen in den Ländern südlich der Sahara Konflikte fördert oder beilegt, muss differenziert beantwortet werden – ein klares Ja oder Nein kann nicht die komplexe Realität dieser Länder widerspiegeln. Anhand zahlreicher Beispiele werden die Auswirkungen von Ressourcenreichtum bzw. -knappheit untersucht.

Afrikanisches Erdöl sei „von nationalem strategischen Interesse“ für die Vereinigten Staaten, erklärte im Januar 2002 der für Afrika zuständige Unterstaatssekretär im Außenministerium, Walter Kansteiner, anlässlich eines Seminars mit dem Titel: „African Oil: A Priority for U.S. National Security and African Development“. Der amerikanische Außenminister, Colin Powell, reiste im September 2002 nicht zufällig in die Ölstaaten Gabun und Angola: Nach dem 11. September 2001 soll die Abhängigkeit von arabischem Öl verringert und der subsaharische Anteil von jetzt knapp 16% bis zum Jahr 2015 auf mindestens 25% gesteigert werden.1 Mit dem Inselstaat São Tomé und Príncipe im ölreichen Golf von Guinea wird offenbar wegen der Einrichtung einer amerikanischen Militärbasis verhandelt.

Das Konfliktpotenzial so genannter strategischer Ressourcen geht für das  Afrika südlich der Sahara aber über das westliche Interesse an Erdöl hinaus. Was ist unter strategischen Ressourcen überhaupt zu verstehen? Wenn man Humankapital ausschließt, können in einem weiten Sinn darunter alle natürlichen Rohstoffe und Bedingungen („natural capital“) verstanden werden, die nicht universal verfügbar sind und die langfristig die vitalen Interessen von Akteuren berühren. Für welche Akteure, extern oder lokal, und in welcher konkreten Hinsicht Ressourcen eine vitale Bedeutung haben, muss im subsaharischen Afrika aber differenziert betrachtet werden.

Sensitive Ressourcen

Extern sensitive Ressourcen sind Energieträger (z.B. Erdöl, Kohle, Erdgas, Uran) und andere industriell genutzte Rohstoffe (Kupfer, Kobalt, Mangan, Coltan, Platin u.a.), die für die Funktionsfähigkeit der Volkswirtschaften der Industriestaaten existenziell sind.2 Die wichtigsten afrikanischen Erdölförderländer sind Nigeria, Angola, Kongo (Brazzaville) und Gabun. Sudan und Äquatorialguinea stießen in den letzten Jahren zu den Erdölproduzenten. Ab Juli 2003 soll das erste Öl in Tschad fließen. Insgesamt werden zwar nur 7% der weltweiten Reserven in subsaharischem Boden vermutet, das afrikanische Öl hat aber häufig eine besonders hohe Qualität. Der Energieträger Uran hat auch eine unmittelbare militärische Verwertbarkeit; so wurde die erste Atombombe aus Uran hergestellt, das aus der heutigen Demokratischen Republik (DR) Kongo stammte. Der Bau von Nuklearwaffen durch das Apartheidregime in Südafrika wurde durch eigene Uranvorkommen erleichtert. Im Dezember 2002 kamen Gerüchte auf, dass Irak Uran aus Niger importiert habe.

Sensitive Metalle sind vor allem in Zentral- und im südlichen Afrika zu finden. Über beträchtliche Vorkommen an Kupfer und Kobalt, das im Flugzeugbau verwendet wird, verfügen die DR Kongo und Sambia. Umfangreiche Vorkommen an industriell genutzten Metallen finden sich auch in Südafrika, Namibia und Guinea. Tantal, das in der Verbindung Colombo-Tantalit, kurz Coltan, vorkommt, wird bei der Herstellung von Mobiltelefonen und Raketentriebwerken benötigt. 80% der Weltreserven sollen in der DR Kongo zu finden sein. Neben der Bedeutung für westliche Volkswirtschaften, für deren Wohlstand und militärische Potenziale, sind die genannten Ressourcen für die sie kontrollierende Gruppen eine wichtige Einnahmequelle.

Mineralien

Besonders gewinnträchtige Ressourcen sind auch Mineralien wie Diamanten, Edelsteine und Gold sowie – vielleicht mit Abstrichen – tropische Edelhölzer. Da sie vorwiegend zur Herstellung von Luxusgütern verwendet werden, haben sie jedoch eine geringe externe Sensitivität. Ihre Lukrativität wird dadurch erhöht, dass in der Regel – anders als beim Erdöl und bei vielen Bergbauprodukten – keine aufwändige Infrastruktur und kein technisches Know-how zu ihrer Ausbeutung und Ausfuhr notwendig sind. Die erzielten Gewinne können in die Entwicklung des Landes, aber auch in den Aufbau von Repressions- und Sicherheitsapparaten sowie klientelistischen Herrschaftssystemen im Dienste lokaler Regierungen und anderer Akteure fließen; in jedem Fall sind sie Machtressourcen. Im Jahr 2000 wurde – ohne die nicht deklarierten Anteile – weltweit mehr als die Hälfte aller Diamanten südlich der Sahara gewonnen. Die wichtigsten Produzenten sind Botsuana, die DR Kongo und Südafrika, ferner Namibia, Guinea, Sierra Leone und Liberia. Die größten Goldexporteure waren 2001 Südafrika, Ghana, Tansania und Mali. Der Bestand an wertvollen Tropenhölzern beschränkt sich auf die Regionen mit tropischem Regenwald in West- und Zentralafrika, z.B. Liberia.

Sauberes Wasser

Ausreichender Zugang zu Wasser (Flussläufe, Trinkwasser) und – damit zusammenhängend – landwirtschaftlich nutzbare Böden (Ackerbau, Viehhaltung) sind wichtige Überlebensressourcen für die Bevölkerung der jeweiligen Länder. Die vitalen Interessen westlicher Staaten sind nicht berührt, durchaus aber die regionaler Anrainer. So können Staudammprojekte die Wasserversorgung von Nachbarstaaten gefährden, verschlechterter Zugang zu Überlebensressourcen kann Migrationsströme auslösen, die zur Destabilisierung der Aufnahmeländer beitragen. Wasserknappheit besteht vor allem im Sahel-Gürtel, der auch durch wachsende Wüstenbildung (Desertifikation) bedroht ist. Der relative Wohlstand im ariden südlichen Afrika hat bisher schwerwiegende Versorgungsengpässe verhindert (vgl. Tabelle 1). Hungersnöte,  wie zuletzt in der gleichen Region,  werden auch durch andere klimatische Phänomene wie Flutkatastrophen, Stürme und Dürren ausgelöst. Ihre Auswirkungen sind jedoch von politischen Faktoren, besonders von „good governance“, abhängig. Auffallend ist, dass ein Großteil der bereits genannten Staaten mit extern sensitiven und einnahmeträchtigen Ressourcen – auf die wir uns im Folgenden konzentrieren werden – von schwerwiegenden gewaltsamen Auseinandersetzungen betroffen ist. Eine differenzierte Einschätzung muss jedoch länderspezifische Konstellationen beachten. Sind strategische Ressourcen Konfliktgrund oder verlängern sie Gewaltanwendung? Erwächst aus ihnen auch ein friedensförderlicher Einfluss? Welche Rolle spielen externe wie interne Bedingungen, die Akteure und ihre Motive?

Tabelle 1: Extern sensitive und gewinnträchtige strategische Ressourcen in Afrika südlich der Sahara

Land

Wichtigste strategische Ressourcen nach Hauptexportgütern (2001)

Äquatorialguinea

Erdöl (77%)

Angola**

Erdöl (89%), Diamanten (12%)

Botsuana

Diamanten (82%)

Elfenbeinküste**

Erdölprodukte (26%)

DR Kongo*

Diamanten (57%), Erdöl (19%), Kobalt (13%)

Gabun

Erdöl (81%), Tropenholz (12%), Manganerz (3%)

Ghana

Gold (37%)

Guinea

Bauxit (44%), Gold (18%), Diamanten (4%)

Kamerun

Erdöl (43%), Holz (19%)

Kongo*

Erdöl (92%)

Liberia**

Kautschuk (57%), Holz (39%), Diamanten (55%)b

Mali

Gold (50%)

Namibia

Diamanten (48%), Uran, Gold und andere Mineralien (13,5%)c

Niger

Uran (31%)

Nigeria*

Erdöl (92%)

Ruanda**

Coltan (12%)

Sambia

Kupfer (57%), Kobalt (10%)

São Tomé u. Príncipe

In Zukunft: Erdöl (?)

Sierra Leone**

Diamanten (51%)a

Simbabwe

Gold (13%)

Südafrika

Gold (19%), Diamanten (9%), weitere Metalle (20%)

Tansania

Gold und Diamanten (34%)

Tschad*

Ab 2003: Erdöl

Uganda**

Gold (9%)

Zentralafr. Rep.*

Holz (43%), Diamanten (38%)

Quellen: Rolf Hofmeier und Andreas Mehler (Hrsg.), Afrika-Jahrbuch 2001, Opladen 2002, eigene Ergänzungen; ** Kriege und * bewaffnete Konflikte 2002, nach Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung, <http://www.sozialwiss.uni-hamburg.de/publish/Ipw/Akuf/aktuell.htm>; a. 1998; b. 1997; c. 2000.

Krieg um Ressourcen

Nach klassischer Denkungsart sollte vor allem der Mangel an Ressourcen Gewalt auslösen; Wasserkriege sind allerdings in Afrika bisher selten gewesen. Als Beispiel zu nennen ist lediglich der Ogaden-Aufstand in Äthiopien 1963/64, unter der Kriegsschwelle blieben gewaltsame Ausschreitungen im Zusammenhang mit der Nutzung von Weideflächen zwischen Mauretanien und Senegal 1989, ein Grenzzwischenfall zwischen Mauretanien und Mali 1999 und Probleme im namibischen Caprivi-Zipfel 1999, die aber jeweils auch andere Gründe hatten.3 Nicht umsonst wird daher auch von Afrikas potenziellen Wasserkriegen gesprochen, die die Nil-Anrainer Äthiopien, Eritrea und Sudan betreffen könnten. Potenziale bestehen offenbar auch im südlichen Afrika (Angola und Botsuana).4 Diese relativ friedliche Bilanz ist angesichts der Wasserknappheit in vielen Ländern auf dem Kontinent einigermaßen überraschend. Immerhin erklärte der namibische Präsident, Sam Nujoma, die Intervention seines Landes in den kongolesischen Bürgerkrieg mit dem Wunsch, die Wasserreserven Kongos „anzapfen“ zu können.

Ein militärisches Eingreifen des Westens zur Ressourcensicherung, wie ihn jetzt Viele in Irak erwarten, fand trotz gewachsenem amerikanischen und anhaltendem französischen Interesse nur in Form der Unterstützung von „ressourcenreichen“ Regierungen oder Rebellen statt. In diesem Sinne sind etwa die Interventionen westlicher Staaten 1977/78 im damaligen Zaire unter Mobutu Sese Seko zu werten: Die Invasion der so genannten Katanga-Gendarmen konnte mit ihrer Hilfe zurückgeschlagen werden. Konfliktverschärfend wirkte sich im Bürgerkrieg in Kongo-Brazzaville aus, dass die Rivalität französischer und amerikanischer Ölfirmen den um die Macht konkurrierenden Denis Sassou-Nguesso und Pascal Lissouba jeweils externe Unterstützung sicherte. Sassou-Nguesso trug schließlich mit Hilfe des französischen Konzerns Elf Aquitaine (heute: TotalFinaElf) und der Unterstützung angolanischer Truppen 1997 den vorläufigen Sieg davon.5 

Die ungleiche Verteilung und Verwendung von Ressourcen kann benachteiligte Akteure zur Gewaltanwendung motivieren (vgl. Tabelle 2). Entweder monopolisieren Regierungen die Einnahmen, oder in kulturell heterogenen Gesellschaften streben einzelne Regionen ihre Eigenständigkeit an, um stärker vom Reichtum der auf ihrem Siedlungsgebiet vorkommenden Ressourcen zu profitieren. Historische Beispiele sind die versuchten Abspaltungen der Kupfer-Provinz Katanga in der DR Kongo oder des ölreichen Biafra von Nigeria in den sechziger Jahren. Verschärfend wirkte sich auch hier aus, dass westliche Regierungen und transnationale Konzerne die Sezessionsbestrebungen ermutigten und unterstützten.

Ein aktuelles Beispiel ist die angolanische Exklave Kabinda, wo mehrere Rebellengruppen eine Sezession oder zumindest einen höheren Anteil an den Erdöleinnahmen verlangen, zu denen Kabinda bislang ca. zwei Drittel beiträgt. In Nigeria bedeuten die ökologischen Belastungen der Erdölförderung eine zusätzliche Motivation für Widerstandsgruppen im Niger-Delta (z.B. Ogoni), während die Einnahmen vorwiegend der politischen Klasse und Konzernen zufließen.

Die möglicherweise geläufigste aktuelle Motivation ergibt sich aus dem Beutecharakter von Ressourcen. Ihre Lukrativität weckt die „Gier“6 interner wie externer Akteure, die deshalb allzu bereitwillig zu den Waffen greifen. In der ebenso ethnisch heterogenen wie ressourcenreichen DR Kongo streben die diversen Rebellengruppen keine Sezession, sondern die Macht in der Hauptstadt Kinshasa an. Ebenfalls in Angola, Sierra Leone, Liberia und Kongo-Brazzaville ging es immer auch um engere wirtschaftliche Interessen der Hauptakteure.

Wenn ursprünglich andere Konfliktgründe vorliegen, trägt Ressourcenreichtum zur Konfliktverlängerung bei: Nach anfänglich politischen Interventionsgründen regionaler Anrainer in der DR Kongo agierten ruandische, ugandische und simbabwische Truppen zunehmend auch wie Söldner und transnationale Konzerne, die sich ihre militärische Unterstützung mit Schürfrechten (Diamanten, Gold, Coltan) vergüten ließen bzw. lassen. Ab 1994 erschlossene Erdölfelder in Sudan haben dem ursprünglich genuin politischen Konflikt zwischen Norden und Süden eine andere Motivation gegeben. Die Einnahmen aus den Verkäufen von Diamanten bescherten den UNITA- und RUF-Rebellen in Angola und Sierra Leone die Finanzmittel, um ihre militärische Schlagkraft lange Zeit aufrechtzuerhalten. In Liberia erfüllten Tropenhölzer vor 1997 diese Funktion.

„Kriegsökonomie“

In einem weiter gehenden Konzept wird sogar von einer „Kriegsökonomie“ gesprochen.7 Neben Waffenhändlern profitieren die Krieg führenden Akteure von der Kriegssituation, die ihre Bereicherungsmöglichkeiten nicht tangiert oder sich sogar wegen fehlender staatlicher Kontrollen als besonders günstig auswirkt. Verschärfend wirkt, wenn für die Ausbeutung der Ressourcen wenig Infrastruktur und Know-how notwendig sind (Tropenhölzer), ihre Handlichkeit sie zu idealer Schmuggelware macht (Diamanten), oder etwa Off-Shore-Anlagen zur Erdölförderung leicht vor dem Zugriff des Gegners geschützt werden können. Eine etwas harmlosere Variante besteht bei fehlendem staatlichen Gewaltmonopol im Erpressungspotenzial von „warlords“, die im Tausch für ihren (vorläufigen) Gewaltverzicht nach vorhergehender Anwendung oder -drohung Staatsämter und Beteiligung an den Ressourceneinnahmen erhalten. Das jüngste (und bereits wieder fragwürdige) Friedensabkommen in der DR Kongo könnte in diesem Sinne interpretiert werden. Auch wegen solcher Befürchtungen wurde das von der Weltbank unterstützte Doba-Ölprojekt in Tschad unter ein internationales Aufsichtsgremium gestellt.

Sind (strategische) Ressourcen also ein „Fluch“ für die über sie verfügenden Länder Afrikas? Zweifellos eröffnen sie nicht generell einen Königsweg zur nachhaltigen Entwicklung der Länder. Dafür sind im engeren wirtschaftlichen Sinne die Nachteile von Rentenökonomien wie die Anfälligkeit für extreme Korruption und – je nach Abhängigkeit von einem Rohstoff – für Schwankungen der Weltmarktpreise sowie die schädlichen Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft („Dutch disease“) zu nennen. Negativ auf Demokratisierungspotenziale wirkt sich möglicherweise aus, dass die notwendige gesellschaftliche Modernisierung in Rentenökonomien ausbleibt oder aus dem Ressourcenreichtum ein Repressions- und Kooptationspotenzial gegenüber der Opposition erwächst.8

Kein Fluch

Ressourcenreichtum ist aber keineswegs ein Todesurteil: Entwicklungserfolge bei politischer Stabilität wurden in Gabun und Botsuana erzielt; für Botsuana gilt das auch hinsichtlich der Demokratie. Überdies sind nicht alle Kriege Afrikas Ressourcenkonflikte. Die Auseinandersetzungen in Ruanda, Burundi, Somalia, der äthiopisch-eritreische Grenzkrieg und die jüngste Entwicklung in der Elfenbeinküste sind hauptsächlich politisch motiviert. Zudem gibt es unter bestimmten Bedingungen auch ein Friedenspotenzial von Ressourcenreichtum, das die Tragfähigkeit des Kriegsökonomie-konzepts relativiert. Leidlich erfolgreiche Vermittlungsbemühungen in Sudan durch die USA im Jahr 2002 spiegeln auch das Interesse an sicheren Rahmenbedingungen für die Ölförderung wider.

Bisweilen kann – obgleich das zynisch klingt – das Repressionspotenzial strategischer Ressourcen auch zum Siegfrieden führen. In Angola erwies sich die Rebellenbewegung UNITA nach dem Tod ihres Führers Jonas Savimbi militärisch geschwächter als angenommen. Der Regierung in Luanda hatte das Erdöl wesentlich höhere Einkünfte eingebracht als die Diamanten der UNITA. Zusätzlich waren deren Einnahmen durch internationale Bemühungen, den Handel mit „Blutdiamanten“ einzudämmen, verringert worden. Ein Land wie Tschad schließlich hat kaum eine andere Chance, sich aus seiner desolaten Lage zu befreien, als durch seine Öleinkünfte.

Vor der Annahme monokausaler Zusammenhänge sei also nachdrücklich gewarnt. Gewaltsame Konflikte, nicht nur in Afrika, haben immer auch zahlreiche andere, fallspezifische Gründe. Die dargelegten Ressourcentypen, ihre Knappheit sowie Ausbeutungs- und Verteilungsbedingungen stimulieren unterschiedliches Verhalten variierender Akteursgruppen. Gewalt ist überdies unter bestimmten – nicht ressourcenspezifischen – gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Verhältnissen wahrscheinlicher als unter anderen. Zu den Risikofaktoren gehören dabei unter anderem kulturelle Heterogenität, ein fehlendes Gewaltmonopol, Rivalitäten und Gewinnstreben transnationaler Konzerne und externer Regierungen sowie das konkrete Verhalten des politischen Führungspersonals vor Ort.

Anmerkungen

1  Vgl. Stephen Ellis, Briefing: West Africa and its Oil, in: African Affairs, Jg. 102, Nr. 406, Januar 2003, S. 135–138; Jean-Christophe Servantim, Une priorité géostratégique. Offensive sur l’or noir africain, in: Le Monde diplomatique, Januar 2002, S. 19–20.

2  Vgl. Harald Müller, Internationale Ressourcen- und Umweltproblematik, in: Manfred Knapp und Gert Krell (Hrsg.), Einführung in die Internationale Politik, München/ Wien 1996, S. 440–475.

3  Vgl. Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung, a.a.O. (Tabelle 1).

4  Vgl. Russel Smith, Africa’s Potential Water Wars, 1999, <http://www.globalpolicy.org/ security/docs/water2.htm>; Mehler, Mehr Wissen, bessere Interpretation, schlüssigere Strategie. Afrikawissenschaftliche Beiträge zur Krisenprävention, in: Sabine Kurtenbach und Andreas Mehler (Hrsg.), Die Vielfalt von Gewaltkonflikten. Analysen aus regionalwissenschaftlicher Perspektive, Hamburg 2002, S. 23–56, hier S. 26, sowie den Beitrag von Susanne Neubert und Waltina Scheumann in diesem Heft, S. 31–38.

5  Vgl. John F. Clark, Resource Revenue and Political Development in Sub-Saharan Africa. Congo Republic in Comparative Perspective, in: Afrika-Spectrum, Jg. 37, Nr. 1/2000, S. 25–41; Douglas A. Yates, Die Elf-Skandale. Eine Fallstudie von Elementen französischer Außenpolitik unter dem Ancien Regime, in: Rolf Hofmeier und Cord Jakobeit (Hrsg.), Afrika-Jahrbuch 1999, Hamburg 2000, S. 73–84.

6  Vgl. Paul Collier und Anke Hoeffler, Greed and Grievance in Civil War, Policy Research Working Paper Nr. 2355 der Weltbank, Washington 2000; Mats Berdal und David M. Malone (Hrsg.), Greed and Grievance. Economic Agendas in Civil Wars, London 2000.

7  Vgl. Ulrich Menzel, Von der Rentenökonomie zur Gewaltökonomie, in: E+Z, Jg. 44, Nr. 1/2003, S. 31–33; Berdal/Malone, a.a.O. (Anm. 6).

8  Vgl. Michael Ross, Does Oil hinder Democracy?, in: World Politics, Jg. 53, April 2001, S.325–361; Clark, a.a.O. (Anm. 5).

 
Aktuelle Ausgabe

IP Wirtschaft

 

ip archiv
Meistgelesen