iPolitics Wörterbuch

1. July 2009 - 0:00

Internationale Politik 7/8, Juli/August 2009, S. 16 - 17.

Kategorie: Informationstechnologie

Blog, das auch der, <engl.> (kurz für Weblog) ein auf einer Internetseite geführtes, meist öffentliches Tagebuch oder Magazin, dessen Beiträge in umgekehrt-chronologischer Abfolge aufgelistet sind. Die Gesamtheit aller Blogs wird wegen ihrer oft engen Vernetzung als Blogosphäre bezeichnet. Insbesondere in repressiven Regimen haben sich Blogs als wichtiges Mittel zur politischen Meinungsäußerung etabliert.

Crowdsourcing, das, <engl.> bezeichnet im Gegensatz zum Out-sourcing nicht die Auslagerung von Firmenbereichen an professionelle Dienstleister, sondern das Abgeben von Problemen und Aufgaben an eine Vielzahl meist unspezialisierter Freiwilliger. C. ist somit eine dezentralisierte Problemlösungs- und Produktionsstrategie, anhand derer Auftraggeber auf die kollektive Intelligenz der Masse zurückgreifen. Der Begriff wurde 2006 von dem amerikanischen Medienjournalisten Jeff Howe geprägt. Durch das Internet gewann das C. erheblich an Bedeutung. Das Phänomen ist jedoch keineswegs neu. Es wird alternativ – mit leichten Bedeutungsunterschieden – auch als Interaktive Wertschöpfung oder Open Innovation bezeichnet.

Cyber Security, –, <engl.> im Hinblick auf die weltweite digitale Informations- und Kommunikationsinfrastruktur einerseits die Sicherheit vor Gefahren wie Internetkriminalität oder Schadprogrammen, andererseits die Sicherheit von Informationen und Daten. Im Zuge der wachsenden Bedeutung des Internets wird C. zunehmend wichtiger. Die Spannbreite der Bedrohungen reicht vom Virenbefall privater Computer über Betriebsspionage  bis hin zum Ausspähen militärischer Technologien. Die US-Regierung nahm sich der Thematik in ihrem kürzlich veröffentlichten Cybersecurity Policy Review an.

e-democracy, –, <engl.> die Wahrnehmung demokratischer Rechte über elektronische Informations- bzw. Kommunikationstechnologien. Beipiele für e. sind Online-Petitionen, Internetwahlen (I-Voting) oder Internetwahlkampf. In dieser Hinsicht unterschiedet sich e. als Teil der politischen Willensbildung von e-government, das lediglich die Verlagerung administrativer Prozesse und Verwaltungsdienstleistungen ins Internet bezeichnet.

Open Content, –, <engl.> beschreibt die Ausweitung des › Open-Source-Prinzips von der Software-Entwicklung auf alle Bereiche kreativer oder intellektueller Arbeit. Rechtliche Grundlage ist eine Lizenz, die das Nutzen, Kopieren und Weiterverbreiten der Werke explizit gestattet. Das derzeit größte O.-Projekt ist die Internet-Enzyklopädie Wikipedia (› Wiki).

Open Government, –, <engl.> öffentliche Nachvollziehbarkeit und Überprüfbarkeit von Regierungs- und Verwaltungstätigkeit auf der Grundlage von Transparenz und umfassenden informationellen Freiheiten. In diesem Sinne ist O. essenzieller Bestandteil demokratischer Regierungssysteme. Beispiele sind die Veröffentlichung von Parlamentsprotokollen oder die konstitutionelle Verankerung der Pressefreiheit. Neuere Ansätze gehen über dieses Verständnis von O. jedoch deutlich hinaus. Durch die Verwendung von › Web 2.0-Technologien erhoffen sich Verfechter eines erweiterten O.-Begriffs eine größere Beteiligung der Bürger am politischen Willensbildungsprozess (› e-democracy). Auch die aktive Einbindung der Öffentlichkeit in Problemlösungsverfahren im Sinne des › Crowdsourcing ist denkbar. Die US-Regierung hat eine „Open Government Initiative“ ins Leben gerufen. Erklärtes Ziel ist es zu erproben, inwieweit das Wissen und die Intelligenz der US-Bürger zu einer effektiveren Regierungsführung beitragen können.

Open Source, die, <engl.> (kurz für Open-Source-Software) Software, deren Quellcode frei zugänglich ist und laut ihrer Lizenz von jedem Anwender genutzt, verändert und weiterverbreitet werden darf. Dadurch unterscheidet sich O. grundlegend von den urheberrechtlich geschützten Programmen der kommerziellen Software-Industrie. Des Weiteren werden O.-Programme selten gezielt entwickelt und getestet. Vielmehr durchlaufen sie einen quasi-evolutionären Prozess, in dem sie von einer Vielzahl von Nutzern permanent verbessert werden. Beispiele für O.-Programme sind das Betriebssystem Linux oder der Internetbrowser Mozilla Firefox.

Twitter, –, <engl.> ein so genannter Mikroblogging-Dienst, der es Nutzern erlaubt, Kurznachrichten mit einer Länge von bis zu 140 Zeichen per Internet oder Mobiltelefon zu versenden. Die Mitteilungen eines Nutzers erhält, wer dessen Beiträge (Tweets) abonniert und so zum „Follower“ der entsprechenden Person wird. Das Programm ist primär ein Medium zur einseitig gerichteten Echtzeitkommunikation. Indem Nutzer ihre Tweets gegenseitig abonnieren, kann „twittern“ auch dialogische Formen annehmen.

Web 2.0, das, <engl.> erstmals im Jahr 2004 von dem Verleger und Soft-ware-Entwickler Tim O’Reilley verwendeter Begriff, der eine qualitative Veränderung in Wahrnehmung und Nutzungsweise des Internets postuliert. Das Konzept ist vage definiert, zielt prinzipiell jedoch auf die Interaktivität vieler neuer Anwendungen ab. Damit grenzt W. diese Nutzungsmodelle von den Funktionen eines implizierten Web 1.0 ab, auf dessen Inhalt nur wenige Einfluss hatten. Der Begriff spiegelt daher in erster Linie den zunehmenden Plattform-Charakter des Internets wider. Beispiele für W.-Anwendungen sind Social-Networking-Sites (Facebook; › Twitter,), Bild- und Video-Sharing-Portale (Flickr; YouTube) sowie Blogs (› Blogosphäre) und › Wikis.

Wiki, das, <hawai.> ist eine so genannte kollaborative Software, die es erlaubt, Internetseiten zu erstellen, die von ihren Nutzern über einen gewöhnlichen Internetbrowser geändert und bearbeitet werden können. Derartige Seiten werden selbst ebenfalls als W. bezeichnet.

 
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