Willkommen in Sotschi!

IP erhielt exklusiven Einblick in die Verhaltensmaßregeln für die Winterspiele

1. November 2013 - 0:00

Internationale Politik 6, November/Dezember 2013, S. 144

Kategorie: Innere Sicherheit, Menschenrechte, Russische Föderation

Am 7. Februar 2014 werden die XXII. Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi eröffnet. Wie auch in der Außenpolitik sind für den reibungslosen Ablauf eines solchen sportlichen Großereignisses strategische Planung, kreativer Umgang mit Unerwartetem und hohe Toleranz vonnöten. An Letzterem hat Russland es in jüngster Zeit, nun ja, etwas fehlen lassen. Es sollte also nicht verwundern, wenn die Organisatoren der Spiele keine Risiken eingehen wollen und genaue Verhaltensmaßregeln entwickelt haben. Die IP erhielt exklusive Einsicht in das Dokument. Hier die wichtigsten Auszüge:

1. Regenbögen sind wunderbare Naturerscheinungen. Auf Fahnen haben die Farben jedoch nichts zu suchen. Sie sind verboten. Absolut, total, unwiderruflich VERBOTEN! Wer dieser Anweisung zuwiderhandelt, hat den Rest seines Aufenthalts in Gesellschaft muskulöser, trinkfester, heterosexueller russischer Männer zu verbringen.

2. Ja, Sotschi ist eine subtropische Küstenstadt. Aber sie liegt zum Glück im Kaukasus, und der ist bergig und schneesicher. Teilnehmer aus nordischen Ländern müssen keinen eigenen Schneevorrat mitbringen. Wirklich nicht. Wir haben Schneekanonen.

3. Sotschi liegt leider im Kaukasus. Das ist eine von widerborstigen ­Bergvölkern bewohnte Region. Im Verlauf der Geschichte haben wir mehrfach und mit allen Mitteln versucht, diese zur Räson zu bringen. (Manche behaupten sogar, dass unter einigen Pisten tscherkessische Massengräber lägen.) Vergeblich. Deshalb mussten wir im Kampf gegen die Terroristen ein paar Vorsichtsmaßnahmen ergreifen:

a) In Sotschi sind nur Fahrzeuge mit Sonderkennzeichen erlaubt. Diese sind beim Geheimdienst FSB, äh, bei der Verwaltung der Olympischen Spiele zu beantragen.

b) Zum ersten Mal in der Geschichte der Olympischen Spiele werden Drohnen den Ort der Wettkämpfe und die Umgebung überwachen.

c) Selbstverständlich bieten wir das schnellste Wi-Fi-Netz. Wir haben es eigens für Sie sogar ein wenig aufgepeppt. Rostelecom hat ein DPI-System installiert. „Deep packet inspection.“ Wir können Ihre Kommunika­tion nicht nur nahtlos verfolgen, sondern sogar filtern! Tolle Technik.

Nein, Sotschi wird kein Hochsicherheitstrakt. Es gibt keinen Stacheldraht, keine Suchscheinwerfer, keine Wachhunde. Wir werden, in den unsterblichen Worten des KGB-, äh FSB-Spionageabwehrchefs und Sicherheitschefs der Olympischen Winterspiele, Genosse Kamerad Oleg Syromolotow, „unsichtbar“ sein. Aber wir sind da. An den Pisten, auf den Loipen, unter den Bobbahnen. In den Schlafräumen und Toiletten. In ihren Laptops, Mobiltelefonen, USB-Sticks. Überall. Zu jeder Zeit. Immer bereit. Nichts entgeht uns.

Viel Spaß bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi!

 
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