Die Zukunft der EU

Die Europäische Union sollte...

1. September 2015 - 0:00

Internationale Politik 5, September/Oktober 2015, S. 4

Kategorie: Europäische Union, Europa, Deutschland

Griechenland-Krise, Flüchtlingsdrama: Die Zweifel an Europas Fähigkeiten, mit internen und internationalen Krisen fertig zu werden, sind zuletzt lauter geworden. Wie wirkt sich das auf die Akzeptanz der Europäischen Union aus? Um das rauszufinden, haben wir die Bundesbürger nach ihren Vorstellungen einer zukünftigen EU befragt – nach 2009 und 2012 zum nunmehr dritten Mal.

Die Europäische Union sollte …

A sich zu einem Bundesstaat mit eigener Regierung
entwickeln: 17 %
B so bleiben, wie sie zurzeit ist: 31 %
C wieder eine reine Wirtschaftsgemeinschaft werden: 33 %
D sich auflösen und zum Europa souveräner Nationalstaaten
zurückkehren: 11 %

Nur noch 17 Prozent der Befragten wollen heute einen europäischen Bundesstaat mit eigener Regierung; 2012 votierten dafür noch 20 Prozent, 2009 waren es 18 Prozent.  Für die Beibehaltung des Status quo sprechen sich heute 31 Prozent aus – 6 Prozent mehr als 2012, aber fast genauso viel wie 2009 (32 Prozent). Nimmt man beide Positionen zusammen, wächst damit das Lager derjenigen wieder, die die EU entweder auf dem derzeitigen Integrationsniveau halten oder die Union weiterentwickeln wollen: Nach 50 Prozent 2009 und 45 Prozent 2012 sind es nun 48 Prozent.

Der Wert derer, die sich eine Rückbesinnung auf eine reine Wirtschaftsunion wünschen, liegt dagegen seit 2009 konstant bei einem Drittel der Befragten: Nach 34 Prozent 2009 vertraten 2012 und 2015 jeweils 33 Prozent diese Ansicht. 11 Prozent der Befragten plädieren für eine Auflösung der EU – 4 Prozent weniger als 2012, als noch 15 Prozent solch einen Schritt befürworteten, und fast ebenso viele wie vor sechs Jahren (10 Prozent).

Beim Blick auf die parteipolitische Orientierung erweisen sich Anhänger der Grünen als die fortschrittlichsten „Europäer“: 26 Prozent wünschen sich eine Weiterentwicklung der EU zum Bundesstaat, 43 Prozent sind zufrieden mit dem Status quo. Demgegenüber votieren die Wähler der Linken am stärksten für den europapolitischen Rückbau: 36 Prozent wollen zurück zur reinen Wirtschaftsgemeinschaft (was übrigens 46 Prozent der FDP-Wähler ebenfalls begrüßen würden), 23 Prozent möchten die EU ganz auflösen und zu einem Europa der souveränen Nationalstaaten zurückkehren. In letzterem werden sie nur von Wählern der AfD übertroffen: Unter ihnen wollen offensichtlich 40 Prozent zurück in den Zustand vor den fünfziger Jahren.


Datenbasis: 1005 Befragte in Deutschland. Erhebungszeitraum: 12./13. August 2015. An 100 % fehlende Angaben: „weiß nicht“. Statistische Fehlertoleranz: + / – 3 Prozentpunkte. Quelle: Forsa.
 

 
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