Der erste Arbeitstag

Im Foreign und Commonwealth Office, King Charles Street, London

26. August 2016 - 0:00 | von Henning Hoff

Internationale Politik 5, September/ Oktober 2016, S. 144

Kategorie: Politische Kultur

Boris Johnson (Secretary of State for Foreign and Commonwealth Affairs): Oh, ­hello, hello! Also Sie sind David …

Sir Simon McDonald (Permanent Under-Secretary): Äh, nein. Simon …

Johnson: Richtig, richtig, Simon, natürlich. Wir waren doch einmal zusammen auf diesem Trip nach, äh, das Cricket-Match gegen, hm, nein, warten Sie …

McDonald: Ich glaube nicht, Secretary of State.

Johnson: Wie auch immer. Also geht es hier …?

McDonald: Ich fürchte, diesen Flügel hat bereits Liam Fox belegt. Das neue ­Ministerium für internationalen Handel, Sie wissen schon.

Johnson: Ja, richtig. Handel, sehr wichtig. Dann also wohl hier …?

McDonald: Dort sitzt bereits David Davis mit seinem kleinen Team, „Ministerium für Brexit“ …

Johnson: Ach ja … „Brexit bedeutet Brexit!“, wie die Premierministerin gesagt hat. Womit ja alles klar ist. Ich war eigentlich gar nicht dafür, unter uns gesagt, auch wenn das während der Kampagne, hm, vielleicht etwas anders klang. „Leave“ sollte knapp verlieren …

McDonald: Ja, Secretary of State. Also, wir haben im Keller ein wenig für Sie umgeräumt. Bitte hier entlang.

Johnson: Ah ja. Ein bisschen dunkel, aber es wird schon gehen. Wie Winston, nicht wahr, damals im Bunker, was? Huch, was war denn das?

McDonald: Palmerston, die Hauskatze. Sie geht hier manchmal auf Mäusejagd.

Johnson: Aha. Also, was liegt an? Dienstreisen? Telefonate? Staatsbankette?

McDonald: Nun ja, Downing Street hat uns gebeten, noch einen Augenblick innezuhalten, bis, ähem, gewisse Fragen geklärt sind, gerade in Sachen Brexit. Und meine Mitarbeiter sind noch dabei, Ihre Telegraph-Kolumnen zu durchforsten, um diejenigen Länder zu identifizieren, die Sie in der Vergangenheit nicht beleidigt haben. Bislang sind wir uns nur bei Liechtenstein einigermaßen sicher.

Johnson: Sehr gut, sehr gut. Allerdings, der Putschversuch in der Türkei; mein Urgroßvater war Osmane. Sollten wir da nicht …

McDonald: Eigentlich ja. Aber Ihr Erdogan-Schmäh-Limerick in Unterstützung dieses deutschen Komödianten ist in Ankara noch in Erinnerung.

Johnson: Das hatte ich vergessen. Also, dann ist im Moment eigentlich gar nichts … hm …

McDonald: So ist es, Secretary of State. Wir denken allerdings, wir sollten in der Zwischenzeit ein wenig an Ihrem Image arbeiten.

Johnson: Mein Image ist alles, was ich habe! Aber gut. Der neue Boris! Ich stehe bereit. Ich war heute früh sogar beim Frisör …

McDonald: Freunden Sie sich doch ein bisschen mit Palmerston an. Ich schicke später einen Fotografen herunter zu Ihnen beiden. Für Twitter.

Dr. Henning Hoff ist Redakteur von Internationale Politik und Berlin Policy Journal.

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