Drei Fragen an Wolfgang Ischinger

1. January 2020 - 0:00

Internationale Politik 1, Januar/Februar 2020, S. 8

Kategorie: Security, Worldwide

Was liegt Ihnen für die Münchner Sicherheitskonferenz 2020 besonders am Herzen?

Ich hoffe auf lösungsorientierte, konstruktive Debatten in München. Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, indem wir versuchen, die politische Diskussion neu zu beleben – durch mehr Interaktion und zum Teil auch durch neue Formate. Es gibt gegenwärtig in vielen Bereichen ein Diplomatiedefizit, aber eben auch ein paar positive Beispiele: Sie zeigen, was engagierte Diplomatie bewegen kann. Ich hoffe, dass auf dieser MSC zumindest in ein paar Punkten Vertrauen aufgebaut werden kann. Vertrauen ist die Währung der Diplomatie!



Welche Entwicklung weltweit macht Ihnen mit Blick auf 2020 die größten Sorgen?

Ich mache mir Sorgen um den Zustand des Westens. Bundespräsident Steinmeier hat jüngst gesagt, der Westen müsse mehr bleiben als eine Himmelsrichtung auf dem Kompass. Wie können wir das stärken, was uns verbindet? Wie können wir dafür sorgen, dass wir uns nicht weiter auseinanderdividieren? Wie halten wir die Erosionsprozesse auf? Das ist insbesondere für Deutschland die entscheidende Frage in der Außen- und Sicherheitspolitik: EU und NATO sind die Grundpfeiler unserer Sicherheitspolitik seit 70 Jahren, also sollten wir auch entsprechend in sie investieren.



Haben Sie eine Prognose für die US-Präsidentenwahl im November?

Es wäre unseriös, bereits jetzt eine Prognose abgeben zu wollen. Außerdem haben wir vor vier Jahren alle gesehen, dass Prognosen eben Prognosen sind – und am Ende die Wähler entscheiden. Wichtig für uns in Europa ist, dass wir uns darauf einstellen müssen, dass es – unabhängig vom Ausgang der Wahl – keine Rückkehr zum Status quo ante geben wird. Das alte Amerika, das wir kannten, wird nicht zurückkommen. Von uns Europäern wird in Zukunft mehr, wesentlich mehr verlangt werden. Je schneller wir das realisieren und auch entsprechend handeln, umso besser.

Wolfgang Ischinger ist Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz

 
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