Polens Transformation

Bertelsmann Transformations-Index

1. March 2013 - 0:00

IP Länderporträt Polen, März/April 2013, S. 48-49

Kategorie: Polen

Auf dem Weg zu sozialer Marktwirtschaft und Sozialstaat hat Polen große Fortschritte gemacht – wenngleich der kleinere Nachbar Tschechische Republik  beim Bertelsmann Transformationsindex (BTI 2012) noch erfolgreicher abschneidet. Bei der „sozioökonomischen Entwicklung“ rangiert Polen sogar noch hinter Ungarn, was nicht zuletzt daran liegt, dass manche Fortschritte Polens ländliche Bevölkerung noch nicht erreicht haben. Dies dürfte sich angesichts des rapiden Ausbaus der polnischen Infrastruktur mit EU-Mitteln in absehbarer Zeit aber ändern. Insgesamt ist die soziale Ungleichheit in Tschechien und Ungarn fast ein Vierteljahrhundert nach dem Systemwechsel von 1989 etwas geringer ausgeprägt. Dafür schneidet Polen bei der Ressourceneffizienz – eine Kategorie, die sich vor allem auf die Verwaltung bezieht – am besten ab: Stellen und öffentliche Aufträge werden transparent und fair vergeben, was für die Tschechische Republik und erst recht Ungarn nicht unbedingt gilt. Insgesamt zeigt sich, wie stark der EU-Beitritt die Transformation der neuen Mitgliedstaaten beschleunigt hat. Die Ukraine liegt in allen ausgewählten Kategorien zum Teil weit hinter ihren EU-Nachbarn.

Polen als „alternativer“ BRICS-Staat

Die Transformationsfortschritte der polnischen Volkswirtschaft erregen weltweit Aufmerksamkeit. So zählt das Magazin Bloomberg Businessweek das Land schon 2005 zu den attraktiven „BRICS-Alternativen“, die sich durch hohe Wachstumsraten, einen großen heimischen Markt, Reformfreudigkeit und ein freundliches Investitionsklima auszeichneten. In dieser Gesellschaft schneidet Polen in Sachen „marktwirtschaftliche Position“ durchaus gut ab und übertrifft sowohl das „alte“ BRICS-Land Südafrika als auch Südkorea und die Türkei, die mit am häufigsten bei den neuen „emerging markets“ genannt werden. Der hohe Wert bildet auch die Tatsache ab, dass Polen die globale Wirtschafts- und Finanzkrise seit 2008 mit am besten gemeistert hat.

Bei einigen wichtigen Indikatoren liegt Polen allerdings hinter Südkorea, was natürlich auch der längeren marktwirtschaftlichen Entwicklung des asiatischen Konkurrenten geschuldet ist. Ein Beispiel ist die Korruptionsbekämpfung: Zwar hat Polen 2006 eine Antikorruptionsbehörde gegründet, es bleiben aber Probleme, insbesondere im Bereich der rechtlichen Regelung von Lobbying. Südkorea dagegen schreckt mit hohen Gefängnisstrafen ab und gehört zu den wenigen Ländern, die Bestechungsversuche durch ausländische Regierungsvertreter strafrechtlich verfolgen. Auch in Sachen Nachhaltigkeit hat Südkorea Vorteile: Das Land setzt auf „grünes Wachstum“, mit großen Investitionen in die Erneuerbaren Energien (zuletzt wurden im Schnitt 2,4 Prozent des BIP aufgebracht). Polen bremst dagegen, wenn es um ambitionierte Klima- und Emissionsziele geht.

 
 
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